Monat: Oktober 2018

Das Puzzlestück

„Ich gebe zu, ich hab schon ziemlichen Respekt davor“, gestand sie. „Wir beide leben schon länger alleine, wir haben uns an unser Leben gewöhnt und wer weiß schon, ob der eine bei dem anderen auch wirklich Platz findet? Ich meine.. Es geht ja schon damit los, dass ich gar nicht weiß, wo du deine Sachen einräumen sollst?“ Sie unterbrach sich, lachte und wartete auf seine Reaktion. Eine Reaktion, die trotz ihres Lachens den Zweifel erkannte und erstickte.
Richard streichelte den Hund, trank einen Schluck Kaffee und lehnte sich entspannt zurück.
„Du denkst zuviel.“
„Hm. Stimmt.“
„Übrigens, ich schnarche manchmal.“
„Ernsthaft jetzt? Dann musst du auf dem Sofa schlafen.“
„Das glaube ich dir sofort, du herzlose Prinzessin auf der Erbse.“
„Ich brauche meinen Schlaf! Sonst bin ich morgens nicht genießbar! Und bitte auch nicht erwarten, dass ich großartige Konversation führe. Morgens nicht! Da will ich meine Ruhe. Und meinen Kaffee.“
Seine Hand ruhte noch immer auf dem Kopf des Hundes, während er sie unverwandt anschaute.
„Bleib cool, Pippa. Ich will nicht bei dir einziehen. Nur ab und zu bei dir wohnen.“
Sie lächelte erleichtert. Für den Anfang war das eine gute Menge an Miteinander und immer noch Freiraum. Eine gute Mischung, um auszutesten, wie viel Miteinander sie ertragen wollten.

„Vielleicht ist es ja auch nur der Sex?“ fragte Victoria, während sie durch die Stadt liefen, das Kind im Wagen, die Nase versteckt im dicken Schal, eingemummelt im Mantel.
„Was heißt ’nur‘? Unterschätze es nicht“, neckte Pippa.
„Ich würd sagen.. Überschätze es nicht.“
„Ach weißt du.. Irgendjemand hat mal gesagt, dass man ruhig eine Zeitlang Frösche küssen und eine schöne Zeit mit ihnen haben darf, bevor der Prinz kommt.“
„Aaaah! Das kommt mir auch bekannt vor! Aber sag mal, ist Richard denn ein Frosch?“
Pippa lächelte breit.
„Und wenn, dann ein richtig guter.“

Sie betrachtete ihn, wie er da durch die Tür kam, eine Tasche in der Hand, größer als die, die er für  gewöhnlich mitbrachte.
„Wo ist Günter?“
„Bei meinen Eltern.“
„Wieso das?“
„Ich wollte dich nicht gleich überfordern. Reicht doch, wenn ich erst mal da bin.“
„So viel Feingefühl hätte ich dir gar nicht zugetraut.“
„Du bist ganz schön frech.“
„Gewöhn dich dran.“
„Von mir aus. Wenn ich dich dafür übers Knie legen darf?“
In ihren Augen funkelte es begehrlich.
„Ich hoffe, du vergisst das nicht.“

In der Nacht, als er längst schlief, erwachte sie. Sie drehte den Wecker zu sich, es war kurz nach halb drei. Also streckte sie sich wohlig aus in ihrem Bett und rückte näher an ihn heran. Schon öfter hatte er hier übernachtet und dennoch erschien es ihr, als hätten sie eine weitere Ebene betreten. Irgendetwas war anders geworden.
Sie legte sich zurück und dachte an die vergangenen Wochen.
Sie dachte daran, wie groß der Respekt vor diesem Schritt gewesen war – und wie wenig sich ihre Befürchtungen bewahrheitet hatten. Sie dachte daran, wie harmonisch das Miteinander war. Dass er morgens einfach den Kaffee an ihr Bett stellte, während er im Badezimmer verschwand. Dass er sie an den freien Tagen nicht nötigte aufzustehen, dafür aber gerne ewig lang mit dem Hund unterwegs war. Dass er sich in ihr Leben einpasste wie ein lange gesuchtes Puzzlestück.
„Vielleicht ist er es ja doch“, dachte sie, während sie die Kaffeetasse in beiden Händen hielt und ihm vom Fenster aus nachsah, wie er mit dem Hund durch den Schnee lief.
Was kommen würde, darüber sprachen sie nicht. Im Grunde nie. Auch darüber, was sie in Zukunft wollten, sprachen sie nicht. Sie ließen sich treiben und genossen es, dass sie einander weder störten noch anstießen.
„Und das findest du gut?“ fragte Victoria. „Also wenn du mich fragst, ich würde mir ja eher Gedanken darüber machen. Sich nicht zu stören kann ja auch bedeuten, dass beide nur an der Oberfläche kreiseln.“
„Meine Güte, hast du deine philosophische Ader entdeckt?“ reagierte Pippa genervt. „Kannst du dich nicht einfach für mich freuen?“
„Das tue ich doch“, antwortete Victoria. „Wenn er der richtige ist, dann freue ich mich für dich.“
„Na und wenn er es nicht ist, dann ist es irgendwann eben ein anderer.“
„So einfach ist das?“ reagierte Victoria erstaunt. „Ist er so einfach austauschbar? Dann solltest du wirklich genauer drüber nachdenken, sonst wird er mir leidtun, nicht du.“
In den Nächten, in denen sie erwachte und ihn neben sich wahrnahm, seinem ruhigen Atmen lauschte, da dachte sie: Nein.. nein.. so einfach wäre es nicht.

Ein neues Leben

Weil sie darauf bestand, besuchte er weiterhin die Paartherapie. Zugleich verlegte er sich darauf, nur noch die Dinge preiszugeben, über die er auch sprechen mochte. In die Bemühungen, eine Wohnung für sich zu finden, ließ er sich nicht hineinreden und thematisierte sie entsprechend auch nicht. Susanns Bemühungen, hier einzugreifen, unterband er, indem er einfach beschloss, nicht darauf zu reagieren, nicht innerhalb und nicht außerhalb der gemeinsamen Sitzungen.
Unabhängig von ihren Wünschen priorisierte er das, von dem er den Eindruck hatte, dass er proaktiv Dinge vorantreiben konnte.
Im Job funktionieren zu müssen, den Kopf freizuhaben, dafür brauchte er einen klaren Weg oder wenigstens eine Struktur. Inzwischen war er an dem Punkt angekommen, das Überleben der Ehe nicht mehr an die erste Stelle zu rücken. Ja nicht einmal mehr zu wissen, ob er dies überhaupt noch forcieren wollen würde. Mit jedem Tag, mit jeder Woche und jedem neuen Monat wurde klarer, dass er längst begonnen hatte, sich in seinem neuen Leben zurechtzufinden, einzurichten – und sich darin wohlzufühlen.
Ja, der Wunsch nach der intakten Familie war immer noch da, gleichwohl registrierte er die Tage, an denen er darüber nachdachte, ob er sich wirklich Zeit seines Lebens das Miteinander mit Susann vorstellen konnte. Er begriff, dass das Bindeglied zwischen ihnen insbesondere der Sohn war – und nicht die Liebe zueinander. Er begriff mit jeder Therapiestunde mehr, dass es nicht Susanns Studium war, das beide entfremdete. Sondern sich mit dem Studium und der hierin entstandenen Entfremdung offenbarte, wie wenig sie einander tatsächlich zu geben hatten.
Sie tat ihm leid. Sie tat ihm umso mehr leid, je mehr er registrierte, wie groß der Betrug an ihr tatsächlich war. Es war nicht das Fremdgehen. Es war die Tatsache, dass er um etwas kämpfte, an das er selbst nicht mehr glaubte. Von dem er mehr und mehr verstand, dass er es nicht mehr wollte.
Die Vorstellung, wieder mit Susann und dem Sohn zusammen zu leben, so wie es vor dem Bruch gewesen war, arbeiten, schlafen, essen, ein-, zweimal im Jahr zu verreisen, das war ihm nicht genug.
Ihm war nur nicht klar, wie er es stattdessen haben wollte.
Ihm war nur klar, dass es nicht mehr so wie zuvor sein sollte.
Er begann, das Fahrrad zu entstauben und wieder in Gang zu setzen.
Er begann, seine Leidenschaft für das Bergsteigen zu entdecken.
Er begann, abends auszugehen, Frauen kennenzulernen, die er vergessen hatte, kaum dass sie aus dem Blickwinkel verschwunden waren.
Er begann, Wochenendtouren herauszusuchen, Orte herauszusuchen, die er noch nicht entdeckt, aber schon immer hatte sehen wollen.
Er begann sich für Fotografie zu interessieren, besuchte Ausstellungen, belas sich über verschiedene Technik und Techniken, wählte lange und sorgsam aus und nutzte die Wochenenden für alle möglichen Aufnahmen.
In den Zeiten dazwischen war er weiterhin Vater, kümmerte sich um den Jungen, wenn Susann in der Bibliothek saß oder mit Studenten abends ausging. Er gestand ihr zu, was er sich selbst gönnte.
Er kämpfte nur nicht mehr – und er fragte auch nicht mehr danach, was Susann eigentlich wollte.

Entscheidungen

„Er fasziniert mich“, sagte Pippa, während sie Geschirr in der Küche zusammenräumte und Platz für den Kuchen schaffte, den Victoria mitgebracht hatte und den der Kleine mit den besitzergreifenden Patschhänden okkupierte.
„Und deswegen zieht ihr jetzt gleich zusammen?“ fragte Victoria, während sie ihren Sohn daran hinderte, den ganzen Kuchen hoffnungslos zu zermatschen.
„Wir ziehen nicht zusammen.“
„Wie nennst du es dann, wenn er seine Sachen und seine Zahnbürste herbringt? Und seinen Hund? Na eben, überhaupt, der Hund! Du wolltest doch nie Tiere in der Wohnung haben. Jetzt einen Mann mit Hund?“
„Nochmal, Vic: Sie ziehen hier nicht ein. Es ist nur.. Wir wollen.. Weißt du, wir arbeiten beide sehr viel und sehen uns wenig. Irgendwie zu wenig. Das wurde uns beiden klar, als er das letzte Mal hier war.“
Pippa stellte Tassen auf den Tisch, setzte sich und schaute versonnen vor sich hin. Dann lächelte sie ihre Schwester an. „Es war schön mit ihm. Es war wirklich richtig schön. So leicht. Und so einfach. Es gab einfach keine Probleme. Nur eben das Problem, dass wir uns fast entfremden, wenn wir uns so wenig sehen.“
„Hm. Kündigt er denn jetzt seinen Job?“
„Ach oh Gott, nein! Sooo eng sind wir ja dann doch noch nicht. Aber er arbeitet eh oft von zu Hause aus. Und das.. kann er ja dann auch von hier aus.“
„Und du glaubst, dass das gut geht? Ich meine, der Hund!“
Sie lachen beide, auch wenn Pippa schon mit ein wenig Bauchschmerzen daran dachte, dass demnächst auch ein Tier in dieser Wohnung leben würde. Also zumindest halbwegs, denn nein, ein Zusammenziehen sollte das hier nicht werden. Nicht wirklich. Sie wollten einfach nur etwas mehr Zeit miteinander haben. Sie wollte wissen, wie es sich anfühlte, wenn sie abends heimkam und dann war da jemand. Sie wollte wissen, wie das sein würde, wenn nachts neben ihr jemand lag, und das nicht nur an so wenigen Nächten im Monat.
Sie wollte einfach wissen, ob sie sich Richard vorstellen konnte, in ihrem Leben und im Alltag.
Sie dachte an die letzten Tage mit ihm, sie dachte an die letzten Nächte mit ihm. Sie dachte daran, wie wohl sie sich mit ihm fühlte und wie richtig sich alles anfühlte.
„Ich finde es irgendwie albern, wenn man etwas nicht tut, nur weil andere sagen: Das darfst du jetzt noch nicht. Mir ist es egal, ob man sich beim ersten Date küsst oder gleich vögelt. Mir ist es egal, ob man nach zwei Wochen heiratet oder wenigstens zusammenzieht. Wenn es sich richtig anfühlt, dann sollte man das tun, wonach einem ist. Niemand anderes bestimmt die Spielregeln außer man selbst.“
Es klang beinah trotzig, wie sie es sagte, so als müsse sie etwas verteidigen, das es nicht zu verteidigen gab.
„Ich greife dich nicht an“, reagierte Victoria prompt. „Ich wundere mich nur. Erst lebst du jahrelang allein, verlierst gleich nach dem ersten Date das Interesse. Und jetzt zieht ein Mann bei dir ein, den du kaum kennst. Und dann bringt er auch noch nen Hund mit! Alles, was nicht zu dir passt oder von dem du zumindest immer sagtest, dass du das so nicht willst.“
„Stimmt“, lächelte Pippa. „Aber wer weiß, vielleicht ist es ja deshalb auch genau das Richtige? Weil ich etwas tue, das eigentlich gar nicht zu mir passt?“
„Ja vielleicht.“ Victoria fütterte den Kleinen mit Kuchen. „Ich bin übrigens schwanger.“
Pippa beugte sich überrascht über den Tisch. „Du bist was?? Und das sagst du mir mal so nebenbei??“
„Na jaaa… Bei dir passiert grad so viel und ich dachte, vielleicht ist das ja gar nicht so wichtig.“
„Du spinnst wohl!“ Pippa sprang auf und umarmte ihre Schwester.
„Was sagt denn dein Göttergatte?“
„Das willst du gar nicht wissen.“
„Wieso?“
Victoria lächelte ein wenig. „Er hat gefragt, wie das jetzt passieren konnte.“
„Äh.. Hä? Wieso das denn?“
„Na ja, es war nicht geplant. Oder besser gesagt: Es war JETZT noch nicht geplant. Wir wollten ja eigentlich noch warten und gucken, ob..“
„Ob was?“
Victoria antwortete nicht sofort und Pippa wurde mit einem Mal bewusst, dass sie sich in den letzten Wochen so sehr um sich selbst gekümmert hatte, dass sie nicht einmal auch nur auf den Gedanken gekommen wäre, ihre Schwester könnte mit ihrem Leben nicht ganz so zufrieden sein wie es nach außen den Anschein hatte.
„Ach weißt du.. Wir sind so lange zusammen.. Wir kennen uns praktisch seit der Schulzeit. Haben nie wirklich großartig was anderes ausprobiert oder kennengelernt. Wir kennen eigentlich.. nur uns.“
Pippa wartete und sagte nichts.
„Wir haben uns gefragt, ob es das jetzt war. Das Haus, das Kind, die Jobs.. Ein Leben wie aus dem Bilderbuch und man müsste eigentlich so glücklich und dankbar sein.“
Pippa wartete immer noch.
„Und dann sehe ich dich“, sagte Victoria und schaute ihrer Schwester offen und direkt in die Augen. „Ich sehe dich, wie du dir dein Leben einrichtest. Wie wohl du dich eigentlich darin fühlst. Und vor allem.. wie frei du bist.“
Sie schwiegen beide.
„Ich wünschte“, fuhr Victoria irgendwann fort, „ich wünschte manchmal, ich wäre auch so frei oder hätte wenigstens mal ausprobiert, wie das ist. Ich kenne es nicht, aber ich würde es gerne kennen. Ich würde auch gern wissen, wie das ist.. mit einem anderen Mann.“
Sie schaute rasch auf ihren kleinen Sohn, dann wieder zu Pippa.
„Ich habe mich manchmal gefragt, wie es sich mit einem anderen anfühlt. Und irgendwann habe ich mich gefragt..“
„…ob dein Mann dasselbe denkt“, beendete Pippa schließlich den Satz.
„Ja. Ja schon.“
„Habt ihr mal darüber geredet?“
Beide sahen einander an und endlich begriff Pippa, was Victoria ihr die ganze Zeit sagen wollte: Die Ehe der beiden war eigentlich schon an ihrem Ende angekommen. Bis sie eines Abends den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt.
„Was wirst du jetzt tun?“ fragte Pippa schließlich. „Kann ich dir irgendwie helfen?“
„Hm.. Nein.. Ich denke nicht.. Wir wollen es einfach nochmal miteinander versuchen. Wer weiß.. Wer weiß schon, warum es ausgerechnet jetzt passiert ist. Vielleicht ist das ja.. Vielleicht ist das ja hier auch das Richtige.“
Pippa lehnte sich zurück. Sie wusste, wenn es mit Richard schiefging, dann würde er in seine Wohnung zurückkehren, in sein Leben zurückkehren und den Hund wieder mitnehmen. Das alles wäre vielleicht schmerzlich, aber sie würde es überleben. Problemlos.
Das Leben ihrer Schwester hingegen.. war weitaus komplizierter. Weil sie nicht für sich allein entscheiden konnte. Was immer sie auch zu entscheiden gedachte.

We were Strangers

Als sie sich wiedersahen, fühlte sie anfangs die Fremde, die sich zwischen sie beide gelegt hatte. Unsicher gingen sie miteinander um, beinah vorsichtig, Berührungen sehr zurückhaltend und zaghaft.
Sie hatte ein paar Kleinigkeiten für das Abendessen vorbereitet, gemeinsam saßen sie am Tisch, einander gegenüber, aßen, sprachen nur wenig. Irgendwann lehnte er sich zurück und schaute sie an.
„Schau nicht so“, sagte sie schließlich. „Oder hab ich irgendwas zwischen den Zähnen? Am Kinn?“
Er lächelte.
„Nein, nichts davon. Ich schau dich einfach nur gerne an. Hab dich so lange nicht gesehen.“
Sie lächelte, spielte ein wenig mit dem Besteck.
„Jetzt schau doch nicht so“, sagte sie schließlich. „Du machst mich unsicher.“
Er beugte sich vor, legte beide Arme auf den Tisch, nah an ihren Händen, jedoch er berührte sie nicht.
„Was machen wir heute noch? Gehen wir aus?“
„Worauf hättest du Lust?“
„Auf dich.“
Er sagte dies ernst und ohne ein Lächeln, aber mit jener Begehrlichkeit im Blick, die ihr schon jetzt die Bluse zu öffnen schien. Sie erwiderte diesen Blick.
Und in dem Moment, als er mit einer Armbewegung das Geschirr zur Seite schob, stand sie auf und stieg über den Tisch auf ihn zu.

„Lass uns noch ausgehen“, sagte sie irgendwann, während er ihr einzelne Haare aus dem erhitzten Gesicht strich. „Lass uns nochmal in die Bar gehen. Das Kakadu.“
„Du kannst doch gar nicht singen“, neckte er sie.
„Na und? Wen interessiert es? Grad dann macht es doch am meisten Spaß.“

Weit nach Mitternacht betraten sie die Bar und während er Getränke orderte, bahnte sie sich den Weg zur Bühne.
Er stand nicht weit weg von ihr, er betrachtete sie, er lächelte, trank seinen Cocktail. Während sie sang und dabei die Augen schloss oder den Blick auf ihn richtete.

We moved in with eachother pretty fast
sometimes we fought real bad
But he made me laugh almost every day
Oh it was hard to see him walk away..

„Du musstest ja nicht mal auf den Monitor schauen“, sprach er in ihr Ohr, während er ihr den Cocktail in die Hand drückte. „Wie oft hast du den schon gehört?“
„Jeden Abend“, lachte sie, „ich bin die, die abends in der Küche steht, sich etwas zu essen zubereitet und dabei die Musik aufdreht. Und weil das niemanden interessiert, gerne auch in der Dauerschleife. Stundenlang!“
Sie lachte, er lächelte und er dachte, wie fasziniert er in diesem Moment von dieser Lust war, die in ihren Augen lebte, in ihrem Gesicht, in ihrem ganzen Wesen.
„Ich will gar nicht weggehen, ich würd gern dableiben“, sagte er, während er einen Arm um sie legte und dabei einen Schluck aus seinem Glas nahm, die Blicke umherschweifen ließ, um ihn dann zu ihr zurückkehren und auf ihr ruhen zu lassen.
Sie lächelte. Anfangs nur ein wenig. Und dann breitete sich dieses Lächeln über ihr ganzes Gesicht aus.
„Das klingt gut, Richard. Das klingt sehr, sehr gut.“